Flugangst Was ist Flugangst? Flugangst ist eine anhaltende und unangemessene Angst vorm Fliegen. Die Flugangst ist von vielfältigen körperlichen Symptomen begleitet. Die häufigsten körperlichen Symptome sind Herzklopfen, Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Benommenheit, Schwitzen, Brustschmerzen sowie Druck- oder Engegefühl in der Brust. Diese können sich innerhalb weniger Sekunden oder Minuten zu einem Höhepunkt steigern. Unterschiedlich können die Gedanken sein, die Menschen, die unter Flugangst leiden, mit der Angst verbinden. Für einige ist die räumliche Enge im Flugzeug und die Tatsache, das Flugzeug nicht einfach verlassen zu können, angstauslösend. Andere Menschen mit Flugangst fürchten sich vor allem vor der Höhe. Wieder andere leiden unter Kontrollverlustangst und fühlen sich dem Piloten ausgeliefert. Viele fürchten auch einen Absturz des Flugzeuges oder eine Entführung. Angstverstärkend wirkt zudem die Befürchtung, die körperlichen Reaktionen nicht kontrollieren zu können. Nach einer repräsentativen Umfrage von 1995 leiden 15% der befragten Fluggäste unter Flugangst. Außerdem gaben 20% an, ein deutliches Unbehagen beim Fliegen zu spüren. Ausgelöst wird Flugangst häufig durch ein unangenehmes Erlebnis im Verlauf eines Fluges. Manche Menschen mit Flugangst haben z.B. starke Turbulenzen in der Luft erlebt oder Schwierigkeiten bei Start- oder Landesitutationen. Dies trifft jedoch nur auf einen kleinen Teil der Menschen mit Flugangst zu. Häufig entwickeln Betroffene eine ausgeprägte Erwartungsangst (Angst vor der Angst), die dazu führt, dass die Betroffenen die ersten Symptome bereits nach der Buchung Wochen vor dem eigentliche Flugtermin entwickeln. Häufig versuchen von Flugangst Betroffene das Fliegen zu vermeiden, manchmal auch dann, wenn dies berufliche Nachteile zur Folge hat. Andere versuchen durch die Einnahme von Alkohol oder Medikamenten die Symptome der Flugangst zu unterdrücken. Flugangst in Kombination mit anderen Ängsten
Flugangst kann isoliert als spezifische Phobie auftreten, d.h. die davon
betroffenen Menschen leiden dann ausschließlich an einer Angst vor einer Angst
vor dem Fliegen. Ist Flugangst behandelbar? 1. Medikamente bei Flugangst Die Einnahme von beruhigenden Medikamenten wie z.B. Johanniskraut, Baldrian oder auch Benzodiazepinen hat nur vorübergehend und sehr kurzfristig einen angstmildernden Effekt. Die unerwünschte, längerfristige Folge einer Medikamenteneinnahme ist jedoch eine Chronifizierung der Angst und ist häufig verbunden mit einem weiteren Anstieg der Flugangst. Deshalb ist von einer Medikamenteneinnahme generell abzuraten. 2. Psychotherapie bei Flugangst Die
Verhaltenstherapie kann aufgrund ihrer wissenschaftlich nachgewiesenen
Effekte als die erfolgversprechendste Form der Psychotherapie bei Flugangst
angesehen werden. Ziel der Therapie ist die Reduktion bzw. der Abbau des Vermeidungsverhaltens und der Angstreaktion beim Aufsuchen des Flugzeuges. Die Methode, die sich hier allen anderen Therapieinterventionen als klar überlegen gezeigt hat, ist die Konfrontation in vivo, d. h. das Aufsuchen der angstauslösenden Situationen. Der Betroffene soll lernen, dass er ein Flugzeug aufsuchen kann und sich darin aufhalten kann, ohne dass die von ihm gefürchtete Katastrophe eintritt. Durch Zulassen der Ängste und durch den Verbleib in den jeweiligen Situationen lernt er, dass die befürchteten „Katastrophen“ nicht tatsächlich eintreten, sondern dass die Angst und die damit einhergehenden körperlichen Reaktionen von alleine wieder abklingen. Er lernt zudem, dass er selbst Einfluss auf die Angstreaktion nehmen kann. Ganz wichtig für die Durchführung des Konfrontationsverfahrens ist die Vorbereitung der Angstkonfrontationsübungen. Dem Betroffenen werden Informationen zu psycho-physiologischen Zusammenhängen der Angstreaktion, der „Teufelskreis der Angst“, die Angstverlaufskurven und das Prinzip der Habituation (Gewöhnung) vermittelt. Ihm wird verdeutlicht, dass Flucht und Vermeidungsverhalten die Angstreaktion verstärken und deshalb abgebaut werden müssen. Zur Unterstützung kann auch ein Entspannungsverfahren, z. B. die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson erlernt werden, um das Anspannungs- oder Erregungsniveau zu senken und die allgemeine Ängstlichkeit zu reduzieren. Entspannungsverfahren sind jedoch nicht alleine ausreichend wirksam. Eine verhaltenstherapeutische Behandlung von Flugangst ist sowohl ambulant, d.h. bei einem niedergelassenen, kassenärztlich zugelassenen Psychotherapeuten oder stationär, d.h. in einer psychosomatischen Klinik mit verhaltenstherapeutischem Angebot möglich. Multimodales Angstbehandlungskonzept bei Flugangst der Abteilung für Verhaltenstherapie der Hardtwaldklinik II , Bad Zwesten Unser
integratives verhaltenstherapeutisches Angstbehandlungskonzept richtet sich an
Patienten mit den Diagnosen Panikstörung, Agoraphobie, spezifische Phobie
(Flugangst, u. a.), soziale Phobie sowie generalisierte Angststörung.
Einzelgespräche Angstbewältigungsgruppe Das zentrale Behandlungselement von Flugangst ist wie auch bei Behandlung der Agoraphobie und der Panikstörung die Angstbewältigungsgruppe, die aus maximal 8 - 10 Patienten besteht und als offene Gruppe zweimal wöchentlich stattfindet unter der Leitung eines psychologischen Psychotherapeuten und eines Co-Therapeuten. Schwerpunkte der Gruppensitzungen:
In der Angstbewältigungsgruppe werden den Patienten zunächst Informationen zu psycho-physiologischen Zusammenhängen der Angst und ein Erklärungsmodell zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Angst vermittelt. Die die Angst auslösenden und aufrechterhaltenden dysfunktionalen Kognitionen in Form von Befürchtungen oder Fehlinterpretationen körperlicher Sensationen werden identifiziert und zu realitätsangemessenen Bewertungen verändert. Exposition-in-vivo Um den Teufelskreis von Vermeidungsverhalten und Aufrechterhaltung der Flugangst zu durchbrechen, werden die Patienten bei der Expositionsbehandlung direkt mit spezifischen angstauslösenden Situationen oder Körperreaktionen (z.B. Hyperventilationstest) konfrontiert und dabei an der Ausführung ihres Vermeidungsverhaltens gehindert. Für Patienten mit Flugangst ist es in Einzelfällen möglich in Zusammenarbeit mit einem nahe gelegenen Flugplatz mit einem erfahrenen Piloten in einem Kleinflugzeug Konfrontationsübungen durchzuführen. Die Angstkonfrontationsübungen werden individuell geplant und zunächst in Begleitung durchgeführt. Durch gezielte therapeutische Interventionen werden hierbei die stattfindenden Habituationsprozesse bis zu einer völligen Reduktion der Angst gefördert. Die Patienten machen die Erfahrung, dass eine Angstbewältigung ohne Flucht oder Vermeidung möglich ist und gewinnen damit Zugang zu neuen Bewältigungsmöglichkeiten. Integrative Bewegungstherapie bei Flugangst Da Angst in der Regel sehr stark körperlich erlebt wird und das Vertrauen zum eigenen Körper und den Körperreaktionen in der Regel gestört ist, soll eine Veränderung des Angsterlebens zusätzlich direkt am Körper ansetzen. Durch verbesserte Körperwahrnehmung soll das Vertrauen in die Selbstregulation von Bewegung, Atmung und Gleichgewichtssinn gefördert werden. Psychosomatische Zusammenhänge zwischen Gedanken, Gefühlen und Körperreaktionen sollen bewusst wahrgenommen werden. Angstauslösende Fehlinterpretationen von Körperreaktionen werden kognitiv und durch Erfahrung zu realitätsangemessenen Bewertungen verändert. Durch Sinnesschulung wird der Realitätsbezug gefestigt und die räumliche Orientierungsfähigkeit entwickelt. Dies wirkt als Angstbewältigungsstrategie im Sinne einer Gegenkonditionierung zur Angstreaktion. Entspannungsverfahren Die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson als Verfahren für willentliche Erzeugung psychisch-körperlicher Entspannungszustände gehört zum festen Bestandteil des verhaltenstherapeutischen Vorgehens. Ziel der
Entspannungsmethoden ist, neben einer Reduktion des allgemeinen Erregungsniveaus
der Einsatz von Entspannung als kurzfristige Bewältigungsstrategie in aktuellen
Belastungssituationen. Sportliche Aktivitäten Ergänzend zu den psychotherapeutischen Maßnahmen nehmen die Patienten an den sportlichen und physiotherapeutischen Maßnahmen teil. Sportliche Aktivitäten vermitteln auch Erfolgserlebnisse, haben positiv verstärkende Wirkung, dienen der Erhöhung des Selbstwertgefühls und fördern die Entspannung und Genussfähigkeit.
Zusätzlich bietet die Abteilung für Verhaltenstherapie der Hardtwaldklinik II ,
Bad Zwesten folgende weitere psychotherapeutische Gruppenangebote an: G.
Sanner
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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